Graphic Novels

Die große Verdrängung

Roberto Grossi

übersetzt von Myriam Alfano

Avant Verlag

“Der Ort ist noch da, aber nicht mehr mit der Erinnerung in Einklang zu bringen.”

Die große Verdrängung ist mehr als eine Graphic Novel. Es ist der Spiegel der uns vorgesetzt wird, ein ne letzte Erinnerung, wie wir die letzte Katastrophe noch verhindern können.

Roberto Grossi hat ein Werk geschaffen, dass stark und grausam zugleich ist. Eindringlich stellt er Bilder gegenüber, die scheinbar nichts miteinander zu tun haben, die aber die Gegensätze unserer Gesellschaft und unserer Welt verdeutlichen.

Unterbrochen werden diese starken Bilder von Interviews zwischen einem etwas flapsigen TV-Moderator und eine Wissenschaftler. 

Wenn ihr jetzt befürchtet, dass dieses Buch nur Angst macht oder ständig den Zeigefinger erhebt, kann ich euch beruhigen. So kommt es nicht daher. Es piekst den Finger schon tief in die Wunde, aber es informiert auch. Diese Informationen an den richtigen Stellen lassen zumindest etwas Hoffnung zu, dass wir uns natürlich die Politik doch noch die Chance haben, etwas zu tun.

Es ist nominiert für den Jugendliteraturpreis (empfehlen würde ich es frühestens ab 14), es ist aber auf jeden Fall auch eine Graphic Novel für Erwachsene. Selten habe ich die Folgen des Klimawandels so deutlich gezeichnet gesehen.

Der dritte Banger für mich in dieser Kategorie.

Die Weltenerschaffer

John Hendrix

übersetzt von Anna Opel

Knesebeck Verlag

‘Die Herr der Ringe’- Trilogie kennen vermutlich alle von euch. Ebenso den kleinen Hobbit. Viele haben sicher auch die Narnia-Filme gesendet und eventuell auch die literarische Vorlage gelesen. 

Ich habe die Bücher mit ca. 13 Jahren durch eine Freundin entdeckt und sofort geliebt. In den 90ern gab es zudem auch eine Serie zum Narnia-Universum, auch die habe ich sehr gerne geschaut. Zu Tolkien muss ich zugeben, dass ich bis heute nur ‘Die Gefährten’ gelesen, aber die Filme dafür mehrere Male gesehen habe.

Beide Welten sind so voller Fantasie, das hat mich beim Lesen und Schauen jedesmal sehr fasziniert. Dass ein Mensch sogar eine eigene Sprache erfindet, Landkarten erschafft, erstaunt mich jedesmal aufs Neue. Daher ist der Titel dieses Buches so passend. Wusstet ihr, dass sich Tolkien und Lewis kannten? Ich habe das erst durch dieses Buch erfahren. ‘Die Weltenerschaffer’ ist keine reine Graphic Novel, immer wieder gibt es Textpassagen, die mehr Informationen und Hintergrundwissen liefern. Einige Passagen werden uns von Gandalf dem Zauberer und Aslan dem Löwen erklärt. Ich mag es sehr, dass die Figuren der Protagonisten somit zum Leben erweckt werden.

Dabei ist ‘Die Weltenerschaffer’ vieles in einem. Es ist Biografie, es ist sozusagen ein Making-of und es ist Sachbuch. Ich hoffe meine Begeisterung ist spürbar. Wir lernen, wie die beiden Klassiker der Weltliteratur entstehen, wir lernen etwas über die Geschichte des Märchens und der fantastischen Literatur und wir erfahren, wie sich die beiden Hauptpersonen begegnen, zu Freunden werden und auch wieder voneinander entfernen.

Dieses Buch zeigt die Menschen hinter den Welten, die uns alle begeistert haben uns immer noch begeistern. Es zeigt uns auf, wie Weltgeschichte nebenher passiert und wie sie einzelne Leben beeinflusst. Tolkien und Lewis gründen die Inklings, ein Art Literatur Club mit anderen schreibenden Persönlichkeiten und ich mag diese Szenen so gern, weil sie zeigen, wie wichtig Austausch ist und wie sehr dieser Austausch Kreativität fördert. 

Hier noch zwei kleine Anekdoten aus dem Buch:

Wintons Kinder

von Tereza Verecká und Mikuláš Podrocky

Lebensborn

von Isabelle Maroger

Knef

Moritz Stetter

Carlsen Comics

Ich bin noch mit Hildegard Knef groß geworden. Als Fan ‘alter Filme’ kannte ich sie als Schauspielerin und habe war begeistert von der Rote Rosen Version mit der Band Extrabreit.Kleiner Funfact: meine beiden Großmütter hießen Hildegard und eine der beiden war sogar der gleiche Jahrgang wie die Knef.Bei der Ankündigung dieser Graphic Novels fiel mir auf, dass ich ansonsten aber wenig über das Leben. Die Biografie ‘Der geschenkte Gaul’ war mir ein Begriff und ich wusste, dass sie eine Tochter hat. Das wars.Vielleicht ging es Moritz Stetter ähnlich. Auf jeden Fall hat er für sein Buch ausgiebig recherchiert. Er verfolgt Hildegard Knefs Leben bis in die späten 70er und schafft ein wunderbares Portrait und gleichzeitig auch ein Zeitzeugnis. Beim Lesen war ich bewegt und gespannt und überrascht. Ich habe ein Frau kennengelernt, die so berühmt und besonders und gleichzeitig so verletzlich war. Moritz Stetters Zeichnungen fangen die jeweiligen Stimmungen so gut ein und machten es mir leicht in das Leben der Knef einzutauchen.Den einzigen Kritikpunkt, den ich habe: nach dem Lesen will man mehr. Ich will jetzt ihre selbst geschriebenen Biografien lesen, ihre Filme sehen und alle ihre Songs hören. By the way, Moritz Stetter liefert auch direkt eine Playlist zum Buch.


Mein Freund Rilke

Melanie Garanin

Carlsen Comics

Biografien in Graphic Novels sind heute keine Seltenheit mehr. Wenn die Person, um dies sich dreht plötzlich lebendig wird, geht das aber über die üblichen Biografien hinaus.

Ellen soll einen Artikel über den Dichter Rilke schreiben (ich wüsste übrigens gar nicht dass Rainer Maria Rilke eigentlich gar nicht Rainer heißt). Je mehr sie sich mit ihm befasst, desto mehr fühlt sie sich von ihm angezogen und ich kann sie verstehen.

Ich gebe zu, ich kannte über Rilkes Leben reichlich wenig. Ich wusste, dass er nicht sehr alt geworden ist, ich hatte ein wenig über seine Liebschaften gehört und natürlich kenne ich seine Gedichte.

Melanie Garanin haucht Rilke nicht nur mit ihren wunderbaren Zeichnungen Leben ein, sie schafft auch einen Lebenslauf, der spannend und unterhaltsam zugleich ist. Dabei lässt sie Rilke in bzw. mit seinen Gedichten zu Wort kommen. So bekommen wir Lesenden nicht nur einen Einblick in sein Leben, sondern auch in seine wunderbare Poesie.

Dies ist das perfekte Buch für Rilke-Liebhaber, für Menschen, die in die Welt der Poesie einsteigen möchten und alle die, die Lust auf eine kurzweilige Lektüre haben, die gleichzeitig etwas fürs Auge ist.


L A G E R F E L D

von Alfons Kaiser und Simon Schwartz

C.H. Beck Verlag

Karl Lagerfeld ist eine Legende und irgendwie auch ein Mythos. Aus der Modewelt nicht mehr wegzudenken, privat unnahbar und manchmal auch unsympathisch. Ich erinnere mich an einen Mann, dem sein Stil wichtig war und dem er treu blieb und einen Mann, der stets sagte, was er dachte. Ehrlich sagen die einen, empathielos die anderen. Engeren Kontakt hatte er angeblich nur zu seiner Mutter und der Katze Choupette.

So wirklich viel mehr wusste ich nicht, daher kam diese Graphic Novel gerade Recht. Alfons Kaiser hat bereits mehrere Bücher über Karl Lagerfeld veröffentlicht und man merkt diesem Buch an, dass er diesen Mann gut kennt und noch besser beobachtet hat. Simon Schwartz gibt dieser besonderen Biografie ein Gesicht und eine Seele. Durch seine Bilder werden Karl Lagerfeld und seine Zeitgenossen lebendig und der Comic-Stil macht das Lesen besonders kurzweilig. ‘Lagerfeld’ ist perfekt für alle, die gerne Graphic Novels lesen und vor allem für die, die gerade nicht die Lust habe, eine dicke Biographie zu lesen. Für einen Einstieg bzw einen Überblick sehr gut geeignet.

Ich hab das Buch wirklich gern gelesen.


B L O W U P !
Die explosive Geschichte der modernen Kunst
Text: Robert Shore
Illustrationen: Eva Rossetti
Übersetzung: Christa Prummer-Lehmair

C.H. Beck Verlag

Wieder eine Graphic Novel, die ich in einem Rutsch durch gelesen habe. Auf 232 Seiten reisen wir wie in Rausch durch die Kunstszene des letzten Jahrhunderts. Die moderne Kunst, die zeitlich betrachtet gar nicht mehr so modern ist.

Wir erfahren, wie die neuen Kunststile, angefangen mit Marc Duchamp, erst herabgewürdigt, kritisch beäugt und später gefeiert wurden. Lernen die Verbindungen der einzelnen Künstler kennen und wie sie aufgestiegen und manchmal wieder gefallen sind. Andy Warhol, Basquiat, Yayoi Kusama und noch einige mehr kommen hier zu Wort und werden gewürdigt.

Ein Interessanter Ein- und Überblick, der vielleicht auch Menschen ins Boot holt, die sich bisher nicht so für Kunst begeistern konnten. Mich aber in jedem Fall. Ich bekomme beim Lesen Lust auf mehr. Mehr Kunst, mehr Wissen über die Künstler und ihre Werke.